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Über- und Untergangsjacken

By 20. October 2016 No Comments

Die Zeit zwischen Spätsommer und Mittelherbst ist eine harte. Dies betrifft natürlich nicht diejenigen, in deren Kleiderschränken mehr Jacken hängen, als in der Hive-Garderobe an einem Samstagabend. Probleme gibt’s eher für Leute wie mich, die nur eine Leder-, eine Regen-, eine Winterjacke und einen superflauschigen Hoodie für ungeduschte Faulenzertage besitzen. Man muss sich morgens entscheiden und dann den ganzen Tag die Konsequenzen tragen.

Der Weg zur Arbeit gleicht einer Weltreise. Man erwacht morgens in der Arktis, duscht in den heissen Quellen Islands, rennt in der windigen Kälte Chicagos auf den Bus, schwitzt sich dort mit einer halben Milliarde anderen Pendlern im subtropischen ZVV-Kasten die Seele aus dem Leib und stapft im britischen Regen ins Büro, wo man je nach Gebäude entweder acht Stunden im Kühlschrank-Klima eines Las Vegas Casinos verbringt oder im sauerstoffarmen Smog Neu-Delhis vor sich hinvegetiert.

Was sich gerade so gut nach einem Wintertag anhören könnte, ist durch Hitzeschübe in der Mittagszeit ergänzt. Es ist die einzige Saison, in der die Wolken im Minutentakt über Schlottern und Schwitzen entscheiden können. Was das Aprilwetter innerhalb eines Frühlingsmonats durchmacht, passiert an gewissen Oktobertagen innerhalb 24 Stunden. Ja, der Oktober ist der April des Herbsts.

Da reicht eine einzige Jacke bei weitem nicht. Denn an einem einzigen Tag bedarf es schnell mal einer Winterjacke am Morgen, gefolgt von einem Spätsommerpullover. Gegen 12 Uhr braucht es dann je nach Wetterlage entweder einen Leuchtturmwärtermantel oder ein bauchfreies T-Shirt. Am späten Nachmittag kommt dann langsam aber sicher die Windjacke aus dem Schrank. Es folgt eine Übergangs- und danach eine Sonnenuntergangsjacke. Nachts ist es dann wieder so grausam Kalt, da benötigen sogar die Marder vom Nerzmantel eigene kleine Strickpullover.

Die Zeit zwischen Spätsommer und Mittelherbst ist eine teure. Als Student mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten schwitzt und friert man sich mutig bis November durch. In dem Sinne, fick dich Oktober.

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